Umsetzungsperspektiven
Gute Beispiele stecken an! Viele Kommunen haben sich auf den Weg gemacht. Lernen Sie Umsetzungsperspektiven der Wärmewende kennen.
Mehr als 80 sächsische Städte und Gemeinden, darunter die Großstädte Leipzig und Dresden, aber auch Plauen, Görlitz, Delitzsch und Eibenstock und kleinere Gemeinden wie Kodersdorf, haben sich – meist mit finanzieller Unterstützung des Bundes – bereits auf den Weg gemacht, erstellen Wärmepläne oder haben diese bereits fertiggestellt. Damit schaffen sie einen Rahmen für ihre zukünftige Wärmeversorgung.
Da die Möglichkeiten für eine zukünftige Wärmeversorgung sehr vielfältig sind, stellen wir Ihnen hier einige Umsetzungsperspektiven mit Beispielen aus dem Freistaat und darüber hinaus vor.
Weiterführende Beispiele finden Sie in bundesweiter und internationaler Perspektive auf den Seiten des KWW Halle oder kommunalen Seiten wie den Energielotsen Dresden.
Bereits veröffentlichte Wärmepläne können über den Wärmewendeatlas des KWW Halle abgerufen werden.
Ungeahnte Potentiale entdecken
Die Umstellung auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung kann auf eine Vielzahl nachhaltiger und heimischer Energiequellen setzen, insbesondere:
- Erzeugung von Wärme mittels erneuerbarem Strom (power to heat)
- Solarthermie
- Geothermie
- Biomasse
- Abwärme
Mit der Wärmeplanung können diese Energiequellen vor Ort eine dauerhaft bezahlbare Wärme ermöglichen und dabei zur regionalen Wertschöpfung beitragen. Die Kombination mit weiteren anstehenden Aufgaben kann in der Umsetzung Synergieeffekte schaffen.
Auch und gerade in kleineren Kommunen ist oft mehr als eine dezentrale Wärmeversorgung möglich, wenn Bedarfe und Potentiale vor Ort sorgfältig in den Blick genommen werden.
Potentiale Erneuerbarer Energien vor Ort nutzen
Der Ausbau Erneuerbarer Energien kann insbesondere im ländlichen Raum für Wärmenetze genutzt werden. Besonders gute Voraussetzungen liegen vor, wenn Erneuerbare Energien vor Ort beispielsweise aus Wind, Photovoltaik oder Biogas in größerem Umfang produziert werden. Wenn die entstehende Energie nicht nur in das Stromnetz eingespeist, sondern insbesondere in Überschusssituationen gespeichert wird, kann sie für die Wärmeversorgung bereitgestellt werden. Auf dieser Basis kann ein weitgehend autarkes Wärmeversorgungssystem mit dauerhaft günstigen Endverbraucherpreisen ermöglicht werden. Bei einer entsprechenden Beteiligung von Wärmeabnehmenden vor Ort können so auch Wärmenetze entstehen, wo oft nur eine dezentrale Wärmeversorgung möglich scheint.
Beispiele für eine solche Lösung sind das Wärmenetz Nechlin (Das Wärmenetz – Energie für Nechlin) oder Fuhne (Energiesystem Fuhne | GP JOULE).
Nahwärmenetze
Insbesondere für kleinere Kommunen oder Stadtteile, für die der Anschluss an ein bestehendes Fernwärmenetz nicht infrage kommt, sind Nahwärmenetze eine Alternative zur dezentralen Wärmeversorgung. Hier werden Gebäude mit Wärmenetzen auf kurzer Distanz durch vergleichsweise kleinere Wärmeerzeugungsanlagen im Umfang von unter einem oder wenigen Megawatt mit Wärme versorgt. Oft kommen dabei regional erzeugte Biomasse oder Biogas zum Einsatz, wobei auch andere Erneuerbare Energien in Verbindung mit Wärmespeichern möglich sind. Entscheidend ist, dass genügend Gebäudeeigentümer bereit sind, sich an ein Wärmenetz anschließen zu lassen. Im Ergebnis können Nahwärmenetze oft mit vergleichsweise günstigen Endverbraucherpreisen aufwarten.
Beispiele sind das Projekt Nahwärme Raschau (Projekt Nahwärme Raschau – Energiegenossenschaft Chemnitz – Zwickau), Radibor (Energie & Klimaschutz in Radibor) oder Dornhausen (Projektablauf für ein Wärmenetz | Enerpipe GmbH)
Abwärmequellen nutzen
Auch die Nutzung überschüssiger Abwärme insbesondere aus energieintensiven Unternehmen oder Rechenzentren bietet Potentiale für die Wärmeversorgung. Unternehmen sind zur Bereitstellung nicht genutzter Wärme verpflichtet. Dabei können sowohl bereits vorhandene als auch geplante Wärmenetze gespeist werden. Da die Wärme ohnehin anfällt, kommen in der Regel günstige Gestehungskosten zustande. Dabei muss darauf geachtet werden, dass eine dauerhafte Perspektive von Unternehmen und Abwärmegestehung gegeben ist.
Beispiele sind Projekte wie RE=FILL Leipzig (Ausbau Fernwärmetrasse Leuna nach Leipzig | Leipziger Stadtwerke) oder die Nutzung der Abwärme des Rechenzentrums der TU Dresden für das Dresdner Fernwärmenetz (Energiewendepreis für Abwärmenutzung der TUD-Hochleistungsrechner im Dresdner Fernwärmenetz — Center for Interdisciplinary Digital Sciences (CIDS) — TU Dresden) und SachsenEnergie AG, TU Dresden und Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (keine Projektwebsite).
Wärmenetzausbau und Stadtumbau verbinden
Der Ausbau von Wärmenetzen kann zugleich zum Stadtumbau genutzt werden. Das trägt zur Akzeptanzsteigerung bei und ermöglicht es neben mehr Aufenthaltsqualität auch Maßnahmen der Klimaanpassung durchzuführen. Der Ausbau von Wärmenetzen im Zuge von Komplexmaßnahmen kann zu Effizienzsteigerungen führen und reduziert die Belastung der Anwohnenden. Beispiele sind das Pilotquartier Leipzig-Südvorstadt (Südvorstadt: Pilotquartier für Wärmewende - Stadt Leipzig) oder die Bahnstadt Braunschweig (Bahnstadt | Stadt Braunschweig).
Betreibung und Finanzierung von Wärmenetzen
Gerade im ländlichen Raum ist die Gründung eigener Energieversorgungsunternehmen ein sinnvoller Weg, um Erneuerbare Energieanlagen und Wärmnetze zu betreiben.
Eine gute Organisationsform, um Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu beteiligen, sind Energiegenossenschaften wie in Radibor.
Das KWW Halle bietet weitergehende Informationen zu Betreibermodellen und Finanzierung von Wärmenetzen. Hier finden Sie neben einer Entscheidungshilfe auch die wichtigsten Informationen zu den Betreibermodellen. Außerdem sind hier auch einige Informationen zur Finanzierung von Wärmenetzen zusammengestellt.